Sonntag, 25. Juni 2017

Keine IV-Rente vor 25, 30, 40, 45… Natürlich «nur» bei psychischen Krankheiten. Macht das Sinn?

Im Rahmen der Vernehmlassung zur Weiterentwicklung der IV forderte eine bemerkenswerte Anzahl von Vernehmlassungsteilnehmern (u.a. FDP, CVP, BDP, diverse Wirtschaftsverbände, IV-Stellen-Konferenz sowie 15 Kantone), dass für junge Erwachsene unter 25 bzw. 30 Jahren keine (bzw. nur zeitlich beschränkte) IV-Renten gesprochen werden sollten. Der Schweizerische Gewerbeverband schrieb beispielsweise:

Der sgv fordert daher mit Nachdruck, dass das IV-Rentensystem so angepasst wird, dass keine Renten mehr an Personen unter 30 Jahren gesprochen werden. Ein deutlich höheres Mindestalter für den Bezug einer Rente zwingt alle Beteiligten, sich noch intensiver um eine Wiedereingliederung zu bemühen. Die Erfahrung lehrt uns leider, dass es gerade bei den Jugendlichen viele Versicherte gibt, die diesen zusätzlichen Druck benötigen, damit sie nicht zu bequem werden und sich nicht zu früh mit dem Dasein als IV-Rentner zufrieden geben.

Vermutlich meint der Gewerbeverband damit all die unmotivierten geistig Behinderten (40% der als «psychisch» codierten NeurentnerInnen zwischen 18 und 21 Jahren haben effektiv eine geistige Behinderung). Oder die bequemen Jugendlichen mit einer Cerebralparese, die einen Rollstuhl benutzten, weil sie sogar zu faul zu laufen sind (14.5% aller 18/19-jährigen NeurentnerInnen leiden an cerebralen Lähmungen).

Die FDP äusserte sich ein bisschen differenzierter:

Wir fordern, dass junge Erwachsene nur noch in Ausnahmefällen (z.B. Geburtsgebrechen, etc.) IV-Renten zugesprochen erhalten. Anstelle einer Rente soll neu ein Taggeld entrichtet werden, welches Erwerbsanreize richtig setzt. Parallel dazu sollen junge Erwachsene eng von der IV betreut werden, um ihre gesundheitlichen Probleme zu stabilisieren und ihre Arbeitsmarktfähigkeit wiederherzustellen.

Der FDP ist immerhin noch eingefallen, dass das «Wiederherstellen der Arbeitsmarktfähigkeit» bei Jugendlichen mit Geburtsgebrechen (also denen mit «richtigen» Behinderungen) nicht alleine an der Bequemlichkeit der Betroffenen scheitern könnte. Gleichzeitig zeigt der Hinweis auf die «Geburtsgebrechen», dass man sich mit dem Thema nur oberflächlich befasst hat. Denn natürlich gibt es auch Versicherte mit Geburtsgebrechen, die (zumindest Teilzeit) arbeiten können. Die Erwerbs(un)fähigkeit hängt – und so definiert es auch das ATSG – nicht von der Diagnose ab, sondern von der Schwere der Krankheit/Behinderung und den dadurch – im individuellen Fall – verursachten Einschränkungen. Das gilt auch für psychische Störungen, von denen – Achtung FDP, jetzt wird’s etwas kompliziert – manche bei der IV ebenfalls als Geburtsgebrechen gelten (z.B. Autismus, ADHS). Nichtsdestotrotz bezieht sich die Forderung «Keine Rente vor 25/30» vor allem auf junge Erwachsene mit psychischen Störungen.

Dass sich so viele Kantone für eine höheres IV-Mindestalter aussprechen, dürfte u.a. auch einen ganz profanen Grund haben: Junge IV-Bezüger sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen, an deren Kosten sich die Kantone beteiligen müssen. Erhalten Betroffene hingegen bis 25/30 statt IV-Rente/EL ein Taggeld, bezahlt das die IV. Also der Bund.

Wie kommen all die Vernehmlassungsteilnehmer eigentlich auf diese Idee?

Anfang 2014 veröffentlichte die OECD den Länderbericht Schweiz zum Thema psychische Gesundheit und Beschäftigung. Darin sprach die OECD eine ganze Reihe von Empfehlungen aus (u.a. sollten IV, Arbeitgeber und Ärzte besser zusammenarbeiten). Worauf sich aber alle Medien einschossen, war, dass mehr getan werden müsse, um zu vermeiden, dass Jugendliche mit psychischen Problemen überhaupt erst zu IV-Bezügern werden. Man hat allerdings nicht die bessere Unterstützung in den Vordergrund gestellt, sondern, nun ja:

(Screenshot vom Artikel im 20min). Siehe dazu auch: Unterschiedliche Bilder junger IV-BezügerInnen)

Auch die NZZ schrieb:

Prinz betonte – auch mit Blick auf Jugendliche in der IV –, die IV-Renten inklusive Ergänzungsleistungen seien zu hoch. Sie hemmten die Arbeitsaufnahme.

Einige Monate später griff die NZZ das Thema erneut auf und zitierte wieder Christopher Prinz (OECD-Verantwortlicher für Fragen zu Krankheit, Invalidität und Arbeit):

Besser wäre es, so weit als möglich keine Renten zu gewähren, weder befristet noch permanent, sondern jungen Menschen zu helfen, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden.» Man müsse den Zugang zur IV blockieren, dafür aber etwas anderes anbieten, und zwar ein «offensives Aktivierungsmodell».

Mit Bezug auf das dänische System wurde dann auch die Idee von «keine Rente vor 40» unter die Leserschaft und vor allem unter die SozialpolitikerInnen gebracht, indem man diese fragte «Was halten Sie davon?» Die NZZ kolportierte, dass die SozialpolitikerInnen «Interesse» am dänischen Modell zeigten (Lobbying in the making).

An der OECD-Studie beteilgt war auch der Basler Psychologe und Forscher Niklas Baer, der mit Hinweis auf das dänische Modell in diversen Interviews (u.a. im Tages Anzeiger oder der SRF-Sendung ECO) ebenfalls dafür plädierte, vor 30 (bzw. später 40) keine Renten zu sprechen.

Im Februar 2016 (drei Wochen vor Ende der Vernehmlassung zur Weiterentwicklung der IV) veröffentlichte das BSV die Studie: «Profile von jungen IV-Neurentenbeziehenden mit psychischen Krankheiten» von Baer et al. in der die Forscher Dossiers von NeurentnerInnen zwischen 18 und 29 Jahren mit – laut IV-Codierung – psychischen Störungen untersucht haben. Die Autoren der Studie kamen zum Schluss, dass bei ungefähr 75% der untersuchten Dossiers eine Berentung aufgrund der starken Beeinträchtigungen nachvollziehbar und gerechtfertigt erscheint. Dies trifft vor allem auf sehr jung Berentete mit geistiger Behinderung, gewissen kinderpsychiatrischen Störungen und multiplen schweren Störungen zu. Bei einem Viertel der Versicherten (vor allem später Berentete mit Depressionen, Schizophrenien und Persönlichkeitsstörungen) hätte sich aus Sicht der Forschenden eine Invalidisierung mit besseren und nachhaltigeren Unterstützungsmassnahmen womöglich vermeiden lassen.

Niklas Baer – der Hauptautor der Studie – sagte im Interview mit der NZZ dennoch einmal mehr:

Unter 30 Jahren sollte niemand eine IV-Rente erhalten. Natürlich braucht es einige Ausnahmen. Eine solche Definition dürfte sicher nicht ganz einfach sein. Beim Rest zwingt das erhöhte Eintrittsalter der IV alle Beteiligten – von den Ärzten über IV-Stellen bis zu den beruflichen Einrichtungen – zu einer besseren Kooperation und vor allem zum Dranbleiben.

Hat noch jemand Fragen, wie die Vernehmlassungsteilnehmer auf die Idee mit «Keine Rente vor 30» gekommen sind?

Die NZZ reagierte dann etwas säuerlich, weil der Bundesrat in der am 15.2.2017 verabschiedeten Botschaft zur Weiterentwicklung der IV nicht darauf eingegangen war. Man hatte doch so engagiert lobbyiert – und… und… der Experte rät doch auch dazu:

Der Bundesrat will dabei aber nicht so weit gehen wie der Arbeitgeberverband, der fordert, unter 30-Jährigen keine Rente auszurichten. Baer hält den Entscheid des Bundesrates für falsch: Für Junge müsse klar sein, dass sie in keinem Fall eine Rente erhielten, denn wer erst einmal berentet sei, finde so gut wie nie mehr den Weg in einen Beruf.

Grundsätzlich keine Renten für junge Erwachsene – Nützt das was? Und wem?

2014 wurden 2600 Versicherten zwischen 18 und 29 Jahren eine IV-Rente zugesprochen. Davon haben 1600 (also gut 60%) eine psychische Problematik. Ein nicht unbeträchtlicher Teil – speziell der ganz jungen IV-Bezügerinnen – dieser «psychischen» hat allerdings effektiv eine geistige Behinderung (Grund: ungenaue Codierung der IV). Laut der BSV-Studie von Baer et al. liesse sich bei einem Viertel der 1600 eine Invalidisierung – vermutlich – vermeiden (Ob bei den körperlich und -offiziell- geistig behinderten jungen Erwachsenen auch Eingliederungspotential brach liegt, hat niemand untersucht. Unter denen gibt es natürlich selbstredend keine Null-Bock-Jugendlichen). Das wären dann also 400 «psychische» Versicherte mit Eingliederungspotential. Von insgesamt 2600. Und deshalb sollen nun grundsätzlich keine IV-Renten vor 30 mehr gesprochen werden (Kanonen und Spatzen und so?).

Insgesamt nehmen die Neurenten (alle Gebrechensarten) bei den Jungen über die letzten Jahre nicht zu:

Auch die Neurenten aufgrund psychischer Erkrankungen (alle Alterskategorien) sind stabil:

Grafiken aus: «Keine Rente vor 30? Der andere Weg des Bundesrates» (BSV)

Angesichts der immer populärer werdenden Idee «Keine Rente vor 30» hatte das BSV die IV-Systeme verschiedener Länder untersucht, die eine Altersbegrenzung eingeführt haben. Die im März 2017 veröffentlichte Studie kam zu folgendem Schluss:

Zurzeit lässt sich nicht nachweisen, dass Länder mit einem erhöhten Mindestrentenalter in der Invalidenversicherung bei der beruflichen Eingliederung erfolgreicher sind.

Auch das deutsche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatte 2016 einem Ländervergleich vorgenommen und zum dänischen Modell geschrieben:

Dass arbeitsmarktferne Problemgruppen mittels hochsubventionierter Arbeitsplätze wieder näher an den Arbeitsmarkt rücken, zeigen auch Erfahrungen mit sogenannten Flex­Jobs in Dänemark. Die Arbeitsmarktpartizipation von zuvor erwerbsinaktiven Teilnehmern war 33 Prozent höher als bei Nicht­teilnehmern (Datta Gupta et al. 2015). Allerdings tendiert die Übergangsrate in nicht subventionierte Beschäftigung gegen Null.
Flex­Jobs (…) sind auf Dauer angelegte und großzügig geförderte Arbeitsverhältnisse bei privaten und öffentlichen Ar­beitgebern. Mit dem Instrument sollte die hohe Zahl an Zugängen in Erwerbsminderungsrenten verrin­gert werden. Die Attraktivität des Instruments führ­te aber zu einer starken Expansion, ohne dass die Zahl der Invaliditätsrentner nennenswert gesunken wäre. 2012 waren 2,3 Prozent der Erwerbspersonen in Flex­Jobs, obwohl die am stärksten Eingeschränk­ten gar nicht erreicht wurden. Vielmehr gab es eine Verdrängung von regulären Jobs, die auf 20 Prozent geschätzt wird.

Die NZZ blieb unbeirrt auf ihrem Kurs. In einem Gastkommentar schreiben Christopher Prinz und Niklas Baer am 2.6.2017 unter dem Titel «Weniger Renten, mehr Integration» über das dänische System:

Die Zahl der Neurenten ist in Dänemark seit 2013 im Schnitt auf unter die Hälfte zurückgegangen; ein Rückgang der alle Altersgruppen betrifft, aber in der Gruppe zwischen 30 und 39 Jahren am stärksten ausfällt; hier spielen – wie bei den ganz jungen IV-Rentnern – psychische Behinderungen eine entscheidende Rolle. Etwa ein Drittel dieser Personen hat nun einen (zumeist subventionierten) Job, die anderen zwei Drittel sind noch im Rehabilitationsprozess. Die Kosteneinsparung ist vergleichsweise gering, weil kaum ein Antragsteller ohne Sozialleistung oder Lohnsubvention auskommt, aber der kulturelle Wandel ist beachtlich: Renten zuzusprechen, ist nicht mehr en vogue.

Der Artikel endet mit: «Insofern ist «Keine Rente unter 30» nicht die optimale Lösung – diese sollte vielmehr heissen: «Keine Rente unter 45». Im NZZ-Artikel wird allerdings ein winziges Detail nicht erwähnt: Dänemark hat auch nach der Reform noch eine deutlich höhere IV-Quote als die Schweiz. (Quelle: Junge Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen: rentenvermeidende und aktivierende Massnahmen, BSV 2017)

Die HSG-Professorin Monika Bütler vertwitterte den NZZ-Artikel als «lesenswert:

Bütler veröffentlichte 2007 mit Katja Gentinetta (der damaligen Vizedirektorin von Avenir Suisse) das Buch «Die IV – Eine Krankengeschichte» (erschienen im, ja genau, NZZ-Verlag). Die Autorinnen propagieren darin u.a. folgende Idee im Hinblick auf die Zukunft der IV:

Wo keine physische Erwerbsunfähigkeit vorliegt, würde die Verrichtung niederschwelliger gemeinnütziger Arbeiten im zweiten Arbeitsmarkt standardmässig eingeführt. (…) Bei einer Verletzung der Mitwirkungs- und Präsenzpflicht können Sanktionen zum Einsatz kommen, die über eine Reduktion der Unterstützungsleistungen über gewisse Einschränkungen bis zu einem zeitlich befristeten Aussetzen der Hilfeleistungen reichen.

Mit «Keine Rente vor 45» könnte dieser Traum des NZZ-Milieus endlich wahr werden.

Fazit

Das Thema «Arbeitsintegration bei psychischer Erkrankung» ist nicht neu. Das zeigen exemplarisch zwei parlamentarische Eingaben von 1986. Erstere fordert eine Abklärung  darüber, «ob und wieweit psychisch Leidende in der Arbeitswelt und in den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung schlechter gestellt sind als organisch Kranke» (Back to the Future I). Zweitere «die Gestaltung von attraktiven Rahmenbedingungen für Arbeitgeber bei der Einstellung psychisch leidender und behinderter Arbeitnehmer (…) sowie die Gewährleistung einer kontinuierlichen Betreuung der eingestellten psychisch Kranken durch die vermittelnde Sozialberatungsstelle» (Back to the Future II).

Vor 31 Jahren habe ich mich zwar mehr für Gummitwist als für Sozialpolitik interessiert, aber angesichts dessen, dass sich die Fragestellungen bis heute kaum verändert haben, vermute ich, dass die Arbeitsintegration psychisch Kranker anno 1986 nicht unbedingt zu den brennendsten innenpolitischen Themen der Schweiz gehörte. Und es würde sich auch heutzutage immer noch kein Schwein dafür interessieren, wenn die Autoren des OECD-Berichts dessen Resultate nicht mit dem knackigen Slogan «Keine Rente vor 30» unter die Leute (und vor allen in die Medien) gebracht hätten.

Eigentlich sollte es völlig selbstverständlich sein, dass man in (jungen) Menschen mit gesundheitlichen Problemen erstmal das Potential sieht und sie – ggf. auch länger und wiederholt – unterstützt, statt sie einfach zu berenten. Tragischerweise interessiert die mangelhafte Unterstützung psychisch Kranker bei der Arbeitsintegration niemanden, solange das Thema nicht mit genügend Empörungspotential («Falsche Anreize», «bequeme Jugendliche» ect.) serviert wird – und damit – als unschöne Nebenwirkung – leider auch stigmatisierend wirkt. Die hehre Idee der OECD, dass erst alle (Therapie-)Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollten, bevor eine Rente gesprochen wird, wird aktuell auch bereits vom Bundesgericht pervertiert, um Depressive von IV-Leistungen auszuschliessen (auf hehre Ideen gibt’s halt leider kein Copyright). Das Problem daran ist: Ohne IV-Anerkennung erhalten die (noch) nicht genügend Depressiven auch keinen Zugang zu Integrationsmassnahmen (Hat grad jemand «Die IV ist jetzt eine Integrationsversicherung» gesagt? Ähem…).

Ich weiss nicht, welche politischen Diskussionen der Eröffnung des Paraplegikerzentrums in Nottwil im Jahr 1990 vorangingen, aber ich bin ziemlich sicher, dass sie sich nicht um die «Bequemlichkeit» von Paraplegikern drehte oder darum, dass eine IV-Rente für sie einfach zu «attraktiv» sei. Nottwil erreicht bei seinen Patienten heute sehr hohe Eingliederungsquoten und Paraplegiker gelten geradezu als «Vorzeigebehinderte». Das liegt nicht daran, dass sie einfach die besseren Behinderten Menschen wären (Auch wenn das die Weltwoche gerne so sieht), sondern dass sie in allen Belangen (medizinisch, psychologisch, beruflich, sozialversicherungsrechtlich ect.) hervorragend unterstützt und begleitet werden.

Psychiatrische Kliniken hingegen stecken im Bezug auf die berufliche Rehabilitation ihrer Patienten vielfach noch in den Kinderschuhen. (Und das Bundesgericht zeigt sich diesbezüglich auch nicht gerade hilfreich. Siehe oben).

Niklas Baer hat sich in Interviews immer wieder dahingehend geäussert, dass mit «Keine Rente vor 30/40» der Druck auf alle Beteiligten erhöht würde, um sich mehr um Integration zu bemühen. Wenn allerdings der Arbeitgeberverband im selben Atemzug, in dem er dezidiert «Keine Rente vor 30» fordert, die in der Vorlage zur nächsten IV-Revison vorgesehene Zusammenarbeitsvereinbarung ebenso vehement ablehnt, (wir erinnern uns; die OECD empfiehlt u.a. auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, IV und Ärzten) habe ich leise Zweifel, ob das mit dem gleichmässigen «Druck auf alle Akteure» tatsächlich funktionieren wird.

Der Arbeitgeberverband schreibt:

Solche Zwangsmassnahmen sind weder erforderlich noch praktikabel. Das bisherige – freiwillige – Engagement der Arbeitgeber in der beruflichen Eingliederung ist ein Erfolg. Das belegen auch die jüngsten Eingliederungszahlen der IV-Stellen-Konferenz: Über 20’000 Menschen mit gesundheitlichen Problemen konnten 2015 ihren Job behalten oder eine neue Anstellung finden. (…) Gesetzliche Verpflichtungen sind aber nicht nur überflüssig, sie sind schlimmstenfalls kontraproduktiv.

Bei den vom Arbeitgeberverband als «Beweis» für das jetzt bereits «grosse» Engagement der Arbeitgeber regelmässig präsentierten Eingliederungszahlen fehlt allerdings immer eine zentrale Information: Bei wie vielen der «erfolgreich Eingegliederten» handelt es sich um ArbeitnehmerInnen mit einer psychischen Erkrankung? Diese Zahl bleiben der Arbeitgeberverband und die IVSK der Öffentlichkeit seit Jahren schuldig.




Weg mit der #behoerdenwillkuer und dem #ivdebakel

Quelle: via @ IVInfo, June 25, 2017 at 10:10PM

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Samstag, 24. Juni 2017

Hartz4 -> „Sparen“ bei den Ärmsten?

hartz4 muss weg!!! politik lügt -> jobcenter betrügt -> bürokratie mordet!

 

Unters Minimum gedrückt

Hartz IV: Staat enthielt Bedürftigen in zehn Jahren fast zwei Milliarden Euro vor

Von Susan Bonath
 
Die Hartz-IV-Regelsätze sind das von der Bundesregierung berechnete physische und soziokulturelle Existenzminimum. Für Alleinstehende sind 409 Euro, für ein Kleinkind 237 Euro vorgesehen. Doch wer nicht pariert, wird sanktioniert. Knapp zwei Milliarden Euro haben die Behörden Bedürftigen in den vergangenen zehn Jahren so vorenthalten. Dies geht aus einer aktuellen Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linke-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die jW vorliegt.

Demnach hielten die Jobcenter allein vergangenes Jahr 175 Millionen Euro an Leistungen zurück, weil Hartz-IV-Bezieher Termine versäumten, Jobs oder Maßnahmen ablehnten, zu wenig Bewerbungen schrieben oder unerlaubt den »wohnortnahen Bereich« verließen. Damit stieg der einbehaltene Betrag gegenüber dem Vorjahr um fünf Millionen Euro an.

Weiter heißt es in der Regierungsantwort, dass »im Jahresdurchschnitt« 2016 gut 134.000 Leistungsberechtigte mindestens eine drei Monate wirkende Sanktion zwischen zehn und 100 Prozent erhalten hätten. Die Kürzung betrug dabei im Mittel 108 Euro. 15- bis 24jährige mussten ein Vierteljahr lang auf durchschnittlich 125 Euro verzichten. Ihnen kann bereits beim ersten »Vergehen« der gesamte Regelsatz gestrichen werden, beim zweiten Mal innerhalb eines Jahres sogar das Geld für Miete und Heizung. Ältere werden in Stufen von 30, 60 und 100 Prozent sanktioniert.

Der Durchschnittswert ist allerdings irreführend. So handelt es sich nicht um die im Gesamtjahr, sondern pro Monat erfassten Sanktionierten. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurden 2016 von 940.000 Betroffenen rund 415.500 teils mehrfach sanktioniert. Monatlich strichen die Jobcenter gut 7.300 Bedürftigen den Regelsatz komplett, einschließlich der Kosten für Miete und Heizung.

Zimmermann fordert die Bundesregierung nun erneut auf, die seit zwölf­einhalb Jahren praktizierten Sanktionen abzuschaffen.

ganzen beitrag lesen

https://www.jungewelt.de/artikel/312944.unters-minimum-gedr%C3%BCckt.html

 

links zum Thema

HARTZ-IV HUNGERTOD!

HARTZ IV SANKTIONEN – MUTTER UND KIND TOT

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Zur Erinnerung an die Opfer der Agenda 2010

In Gedenken an die Opfer der Agenda 2010 | www.Die-Opfer-der …


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Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Mantovan, June 24, 2017 at 09:11AM

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Freitag, 23. Juni 2017

Gerichtsverhandlung zur achten 100-Prozent-Sanktion

GERICHTSVERHANDLUNG ZUR ACHTEN 100-PROZENT-SANKTION
am 07.07.2017 um 12:00 Uhr
im Sozialgericht Berlin, Invalidenstr. 52, 10557 Berlin, Saal 113
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ZUM HINTERGRUND:
Mit der achten 100%-Sanktion wurde meine lange Hungerphase eingeleitet, die sich über 132 Tage vom 01.07.2015 bis zum 10.11.2015 erstreckt hat und erst durch ein Kirchenasyl beendet wurde.
(...)
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DIE SANKTION IST BEREITS AUFGEHOBEN!
16 Monate nach Beendigung des Hungerns wurde dann - unter willigster Mitwirkung des Jobcenters (!) - die Sanktion vom Gericht einfach aufgehoben. (...)
Die Gründe für diese Entscheidung waren so absurd, dass mir sofort klar war, dass man die Sanktion nur auflöste, um so die Bearbeitung der anstehenden Fragen (...) umschiffen zu können.
Ich habe deshalb der Entscheidung sofort entschieden widersprochen. Sicherlich ein Sonderfall im Gericht.
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AUF GRUND MEINES WIDERSPRUCHES steht mir TROTZ der zur Zeit faktisch aufgelösten Sanktion ein Recht auf eine öffentliche Verhandlung zu.
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THEMA DER VERHANDLUNG WIRD SEIN ... ... ...
Weiter geht es hier >>




Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Die Wuerde des Menschen, June 23, 2017 at 09:53PM

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Altonale streitet über öffentlichen Raum

Wie sehen „menschenfreundliche Städte“ aus? Wer bestimmt, wie wir den öffentlichen Raum nutzen und welche Rechte haben Obdachlose auf Teilhabe? Viel Gesprächsstoff für die 2. Ausgabe des „Urbanen Salon“ am Samstag auf der altonale. Nachdem bei der Premiere im vergangenen Jahr noch über „Flucht und Hoffnung“ diskutiert wurde, geht es in der 2. Ausgabe des […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 23, 2017 at 03:54PM

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Staat spart mit Hartz IV Sanktionen fast 2 Milliarden Euro

In den vergangenen zehn Jahren hat der Staat bei den Ärmsten der Gesellschaft mit Hartz IV Sanktionen fast zwei Milliarden Euro eingespart, die Leistungsempfängern nicht ausgezahlt wurden. Insgesamt kürzten die Jobcenter in den Jahren 2007 bis 2016 die Hartz IV Leistungen der Bedürftigen um insgesamt 1,9 Milliarden Euro, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf einer Anfrage der Linken-Politikerin, Sabine […]

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @HartzIV.org, June 23, 2017 at 12:00PM

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Der Gipfel und die Obdachlosen

895 Container hat die Stadt eingelagert – für teures Geld. Wenn man diese nutzen würde, wären viele Hamburger Obdachlose auf einen Schlag untergebracht. Aber das will der Bürgermeister wohl nicht, nicht mal zum G20. Wer während des G20-Gipfels in Hamburg im Freien schlafen darf, war in den vergangenen Wochen hoch umstritten. Die Gegner des Gipfeltreffens hatten […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 23, 2017 at 11:39AM

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Gebt den Obdachlosen die ungenutzten Container!

Das ist der Gipfel: Seit Jahren fordert die Wohnungslosenhilfe, Obdachlose vernünftig unterzubringen. Nun stellt sich heraus: Die Stadt lagert mindestens 895 Container ein, die sie derzeit nicht braucht. Hinz&Kunzt fordert: Gebt sie den Obdachlosen! Mindestens 895 Container werden derzeit ungenutzt eingelagert. Die FDP geht sogar von rund 1600 aus. „Wir sind fassungslos“ sagt Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 23, 2017 at 11:27AM

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Donnerstag, 22. Juni 2017

Sklaverei -> „Arbeit macht frei“?

vorspann –> Sklavenmarkt! Hartz-IV Sanktionen abschaffen! 

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Hartz IV: Ab 2018 sollen Arbeitslose für ALG II arbeiten – oder hungern

Wie taz.de berichtet, soll Anfang 2018 in Bremerhaven ein Pilotprojekt der Bundesagentur für Arbeit (BA) starten, bei dem bis zu 3.000 Langzeitarbeitslose den dort ansässigen Firmen und Kommunalbetrieben als kostenlose Arbeitskräfte angeboten werden.

Die Arbeitslosen sollen für 3 Jahre ohne Lohnanspruch lediglich für ihr ALG II arbeiten. Wenn sie sich weigern, wird dieses erst gekürzt und dann gestrichen. Das ist die praktische Umsetzung von „Arbeit macht frei“.
Urheber dieses Zwangsarbeits-Konzepts sind Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit, und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Beides Mitglieder der Hartz IV-Erfinderpartei SPD.

Der Öffentlichkeit „verkauft“ wird diese de facto Zwangsarbeit von der Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen, Susanne Ahlers, und demmit den Behauptungen, dass Arbeitslose so wieder in die Gesellschaft integriert würden, dabei ihren Kindern zeigen könnten, was sie zur Gesellschaft beitragen, was wiederum verhindern soll, das sich die Langzeitarbeitslosigkeit von den Eltern an die Kinder vererbt.

Arbeitslose sollen also stolz auf eine erzwungene Tätigkeit sein, für die sie keinerlei Wertschätzung erfahren?
Stolz ihren Kindern sagen: „Sieh‘ mal, das dort habe ich geschaffen, aber Geld habe ich dafür nicht bekommen, weil ich bin ja nichts mehr wert.“?

Und indem Kindern vor Augen geführt wird, dass Arbeitslose in unserer Gesellschaft vollkommen wertlos sind und ihnen so heillose Panik vor einer möglichen späteren eigenen Arbeitslosigkeit eingeimpft wird, soll verhindert werden, dass sich Arbeitslosigkeit „vererbt“?

Und wieso spricht man hier überhaupt von „vererben“? Seit wann ist Arbeitslosigkeit genetisch bedingt?
Man bedenke, welche gesellschaftlichen Wertvorstellungen und politischen Aussagen die Verantwortlichen damit zum Ausdruck gebracht haben. Hier wird eine unliebsame gesellschaftliche Gruppe entwertet wie eine Fahrkarte.
Glauben die Verantwortlichen wirklich an das, was sie da behaupten? Dann sind sie nur noch zu bedauern.

Die einzigen Aussagen dieses menschenverachtenden Pilotprojekts sind, dass die Arbeitskraft eines Langzeitarbeitslosen in der Gesellschaft nichts mehr wert ist und auch dieser als Mensch nicht mehr wertgeschätzt wird. Langzeitarbeitslose taugen nur noch zum kostenlosen „Verheizen“. (Ottokar)

quelle http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/2018-sollen-hartz-4-bezieher-hungern-oder-arbeiten.php

 

empfehle Hartz IV – ALG II » Hartz IV News

und  Hartz IV Bezieher wurden bei Tombola verlost

 

nachschlag –> HARTZ IV Sanktions-Tombola! ZIEH ODER STIRB! 

und Jobcentermitarbeiter gratulieren sich zu verhängten Hartz IV …sanktionen


Einsortiert unter:AGENDA 2010, AKTUELLES, Deutschland, Schwerpunkt Tagged: arbeitslos, Hartz IV-Sanktionen, JOBCENTER, sklavenmarkt, wertlos

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Mantovan, June 22, 2017 at 06:55PM

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Erinnerung an Gunter Gabriel

Countrysänger Gunter Gabriel ist tot. Der Wahl-Hamburger starb wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag an den Folgen eines Treppensturzes. Gabriel war Hinz&Kunzt verbunden. Wir veröffentlichen unser Interview mit ihm aus dem Jahr 2010 an dieser Stelle erneut.  Treffpunkt Oberhafenkantine. Wir kennen Gunter Gabriel seit Jahren, noch aus Zeiten, als ein Comeback des einstigen Truckeridols in […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 22, 2017 at 05:55PM

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Mittwoch, 21. Juni 2017

Nicht nur für Strategen und Superhirne

Für unsere Verkäufer: Ab sofort könnt ihr regelmäßig im Hinz&Kunzt-Verkaufsraum Schach spielen. Anmeldung bei Marcy aus dem Vertrieb. Gespielt wird immer am letzten Verkaufstag um 14.30 Uhr im Vertriebsraum.

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 21, 2017 at 12:27PM

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Nahrung für Leib und Seele

Liebe Hinz&Kunzt-Verkäufer, stärkt euch am 25. Juni bei der Hinz&Kunzt-Sonntagsandacht mit Frühstück. Die Andacht findet statt am 25. Juni um 11 Uhr im Hinz&Kunzt-Vertriebsraum. Bitte am Tresen anmelden.

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 21, 2017 at 11:09AM

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Dienstag, 20. Juni 2017

Feuer war wohl keine Brandstiftung

Das Feuer auf einer Platte an der Reeperbahn ist nach Einschätzung der Brandermittler nicht absichtlich gelegt worden. Die Sorgen vor einer Brandanschlagsserie sind damit vom Tisch. Es gibt in Hamburg wohl keine Brandanschlagsserie gegen Obdachlose. Nach mehreren Feuern und Brandstiftungen auf die Schlafplätze von Obdachlosen hatte die Polizei das befürchtet. Auch ein nächtlicher Brand vor einem ehemaligen […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 20, 2017 at 02:55PM

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Montag, 19. Juni 2017

Landesmindestlohn wird abgeschafft

Erhöhte Mindestlöhne in einzelnen Bundesländer sind ein Auslaufmodell. Nicht nur Hamburg, sondern auch Schleswig-Holstein wird seine spezielle Landesregelung lockern und bei Ausschreibungen keinen erhöhten Landesmindestlohn verlangen. Erst vor wenigen Monaten verkündete Schleswig-Holsteins scheidender Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stolz eine Anhebung des Landesmindestlohns auf 9,99 Euro. Unternehmen, die sich auf öffentliche Aufträge des Landes bewerben, müssen […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 19, 2017 at 05:03PM

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CH: Soziales Elend nach Stopp oder Verweigerung von IV-Renten

Als praktizierende Psychiaterin gelangte die Autorin in den letzten Jahren zur ­Gewissheit, dass die systematische «härtere Gangart» der IV bei psychisch-psychosomatisch Kranken und Schmerzpatienten unter medizinischen und ökonomischen Gesichtspunkten kontraproduktiv ist.

Autorin: Doris Brühlmeier Rosenthal

Eine von ihr durchgeführte «Nachzählung» erhärtete ihren Verdacht. Die erhobenen Zahlen liefern Indizien, mit denen sie eine vertiefte Diskussion des Problems anzuregen hofft.

Scheininvalide?
Es muss ca. 2005 gewesen sein: Die damals 59-jährige, schwer psychisch kranke Frau Z. sass zitternd und untröstlich weinend da: «Sie wollen uns die IV-Rente wegnehmen!» «Sicher, ganz sicher nicht», versuchte ich zu beruhigen, «wissen Sie, die Renten sind unantastbar.» «Doch doch, die grösste Partei will unsere Renten stoppen, es stand im ‹Tagi›, wir heissen jetzt Scheininvalide.» «Niemals wird das möglich werden, in ganz ­Europa nicht. Wie gesagt: Die Renten sind und bleiben unantastbar.» Ich war überzeugt, das richtige Argument gefunden zu haben. Aber, wie recht die Patientin behalten sollte!

Erste IV-Ausmusterung 2009
Nur 4 Jahre später geschah es zum ersten Mal: Eine ebenfalls schwer psychisch und schmerzkranke Pa­tientin, Frau D., wurde zu einem polydisziplinären Gutachten aufgeboten. Unverständlicherweise nur 6 Monate nach der letzten erfolgreichen Rentenrevision, nach 14 Jahren IV-Rente. Nur 4 Monate später war die IV-Rente weg auf Ende des kommenden Monats. Die Patientin sei in angepasster Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Diese Einschätzung stand im Gegensatz zu 7 früheren psychiatrischen Gutachten und zu 13 Arztberichten. Wie sich später herausstellen sollte, als ich endlich begonnen hatte, die IV-Akten zu bestellen und trotz grossem Zeitaufwand durchzuarbeiten, war sie bei der IV denunziert worden, von einem 20 Jahre älteren Freund, der sie hatte heiraten wollen, wozu sie nicht in der Lage war. Die IV vertraute offenbar dieser Denun­ziation.

Es folgten ein psychiatrischer Klinikaufenhalt für 2 Mo­nate, wöchentlich Psycho-Spitex, 600 mg Quetiapin pro Tag, eine Schulter-OP, kürzlich ein Fibula-Bruch und gehäufte psychiatrische Konsultationen. Ein Rekurs gegen den Entscheid wurde abgelehnt. Nach der IV-Ausmusterung stiegen die Krankheitskosten un­gefähr um den Faktor 20. Der schlechte Zustand der Patientin hält seit 6 Jahren an, eine Gesundung oder die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit sind nicht in Sicht …

Weitere Gesunderklärungen dank der Zahlen 38%, 39%, 70%
In der Folge kamen weitere Patienten mit gestrichenen oder reduzierten IV-Renten in meine Praxis. 2010 die 50-jährige Frau P. Seit 2002 hatte sie eine volle IV-Rente bezogen. 2010 wurde diese auf 50% reduziert: Das dritte und vierte Psychiatrische Gutachten, beide vom gleichen Psychiater erstellt, hatten sie zu 50% gesund erklärt, entgegen der Beurteilung durch 25 frühere Arztberichte und zwei vorhergehende Gutachten. Es folgten: «sozialer Tod», grosse Armut, schwere Depression, Rezidiv der Anorexie etc.

Fünf der sechs Patienten in meiner Praxis, deren IV-Renten gekürzt wurden, sind alleinstehende Schweizerinnen im Alter von 53 bis 60 Jahren!

Ich begann, die IV-Akten betroffener Patienten zu bestellen: Die Empörung wuchs mit jeder Akte: Gesunderklärungsgutachten bewerten in diesen Fällen die Arbeitsfähigkeit plötzlich mit 70–80% in angepasster Tätigkeit, d.h. keine Teilrente, keine Integrationsmassnahmen. Diese gibt es erst ab 40% Arbeitsunfähigkeit. Die IV errechnete bei den Betroffenen aus 70% Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (laut Gutachten) maximal 38 bis 39% Arbeitsunfähigkeit.

Ein pikantes Beispiel: Ein von der IV wegen einer Arbeitsunfähigkeit von «nur» 39% zurückgewiesener ­MS-Patient trifft in seiner MS-Selbsthilfegruppe zwei weitere MS-Kranke. Der eine ist auf den Rollstuhl angewiesen, der andere weist zusätzlich eine Hemiparese auf. Den beiden wurde von Gutachtern desselben Zen­trums eine Arbeitsunfähigkeit von 38% respektive 34% attestiert und sie wurden von der IV abgewiesen.

Radikalisierung
Frau H, eine schwer depressive und an Fibromyalgie leidende Patienten, die zudem durch wiederholte Inzest-Ereignisse traumatisiert war (u.a. wurde die Tochter vom Ehemann der Patientin geschwängert), bezog seit 2003 eine IV-Rente. Im November 2015 erhielt sie den folgenden IV-Bescheid: «Die Rente wird nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats aufgehoben.» Mein Schreiben an die IV und entsprechende Gutachter wurde zurückgewiesen. Die Akte sei geschlossen …

Frau H. sei wahrscheinlich rein aus psychosozialen Gründen psychiatrisch hospitalisiert gewesen, stand im Bescheid. In angepasster Tätigkeit wäre sie zu 100% arbeitsfähig, stand im Gesunderklärungsgutachten ­einer weiteren dafür bekannten MEDAS-Stelle.

Wut, Ohnmacht, erlebte Unfähigkeit und weitere IV-Dramen als Folge der Scheininvalidenkampagne miterleben zu müssen, veranlassten mich dazu, selbst aktiv zu werden und zu recherchieren, ob Berufskollegen in ihren Praxen Ähnliches erlebten.

Nachzählung: Fakten statt Worte
Die Schlagzeile: Abnahme der IV-Rentenzahl von 197 000 im Jahr 2010 auf 177 500 im Jahr 2015 (bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum von 0,5 Mio.) schmerzte. Erstmals in meinem schon länger dauernden Leben schrieb ich unter dem Titel «So viel Ungerechtigkeit gegenüber IV-Bezügern» einen Leserbrief an die Aargauer Zeitung, der am 11.6.2016 erschien. ­Natürlich änderte sich nichts.

Die Idee einer Nachzählung drängte sich mir auf, nach dem Motto: Mit Worten ist nichts zu erreichen, wie ­sehen denn eigentlich die Zahlen aus? Seit 28 Jahren bin ich in der psychiatrischen Praxis, viele meiner Patienten mit Voll- oder Teil-IV arbeiten. Wie viele sind es genau? Wir brauchen Zahlen. Ich sehe viele meiner früheren und jetzigen Patienten vor mir, die mit IV-Teilrente bis zu ihrer Pensionierung Teilzeit gearbeitet haben und jene, die trotz voller IV ein paar Stunden pro Woche im ersten Arbeitsmarkt arbeiten.

Ich entwarf also einen Fragebogen und zählte nach. Bereits nach ca. 2 Wochen standen meine Praxiszahlen in auch für mich überraschender Klarheit da: IV-Rentner arbeiten zu einem relativ hohen Prozentsatz. In meiner Praxis waren 46% der Vollrentner und 87% der Teilrentner arbeitstätig. So gesehen ist die IV-Rente für meine Patienten ein Segen. Denn bei den ausgemusterten und von der IV zurückgewiesenen Patienten sieht das Bild anders aus. Diese sind zu 52–100% vom Sozialamt abhängig und maximal zu 5% arbeitsfähig. Aus meiner Sicht ist die Rentenverweigerung eindeutig als Fluch zu sehen, der nicht zu Arbeitsfähigkeit führt!

Nach diesen eindeutigen Befunden für meine Praxis stellte sich die Frage, ob es in anderen Praxen ähnlich wäre. Nachfragen bei einem «Armutsforscher», bei psychiatrischen Spezialisten und Recherchen im Internet bestätigten meine Vermutung. Es gab bis anhin keine Nachuntersuchung psychiatrischer, neurologischer und von Schmerzpatienten, denen die IV verweigert wurde. Dabei ist diese Zahl mit mindestens 20 000 Patienten in den vergangenen 4 Jahren beträchtlich.

Kohärente Zahlen
Ende September 2016 verschickte ich schliesslich 50 Fragebogen an praktizierende Psychiater aus den Kantonen Aargau und Zürich. Nach 2 Wochen kamen die ersten ausgefüllten Bogen zurück, aus dem Aargau, aus dem Zürcher Säuliamt und aus der Stadt Zürich.

Die Resultate waren bei allen sehr ähnlich wie in meiner Praxis. Offensichtlich ist hier eine humanitäre ­Katastrophe im Gange. Im November begann ich zusammenzuzählen, Graphiken zu entwerfen, nächtelang zu schreiben. Insgesamt flossen 13 Fragbögen mit 402 Patienten in die Auswertung ein (Rücklaufquote 24%).

EINIGE ZAHLEN UND FAKTEN ZUR IV

– 4.–6. IV-Revision: Die Zahl der IV-Rentner muss sinken, 17 500 Rentner sollen in den 1. Arbeitsmarkt integriert werden.

– Die Zahl der IV-Neurentner hat sich seit 2003 um die Hälfte reduziert auf ca. 14 000 pro Jahr. Die Bevölkerungszahl der Schweiz stieg seit 2010 um 455 000 auf 8,32 Mio. (In jeder ­Population gibt es 1–1,5% Schizophreniekranke, d.h. seit 2010 ca. 6000 mehr.)

– 1628 CHF beträgt die durchschnittlich IV-Rente pro Monat.

– Wer die IV verliert, verliert auch den geschützten Arbeitsplatz, die eventuelle 2. Säule, das Recht auf Ergänzungsleistungen.

– Die Gemeinden Schlieren und Dietikon beauftragen Juristen, um doch noch eine Rente für ihre kranken Einwohner zu erreichen.

Rente als Segen, Rentenverweigerung als Fluch
Auch wenn es sich bei meiner Umfrage nicht um eine wissenschaftliche Studie handelt, haben die Resultate von 402 Patienten, davon 177 «IV-Opfer», zweifellos eine gewisse Aussagekraft. Es zeigt sich klar, dass ­IV-Ausmusterung (43 Patienten) in 93% direkt in den «sozialen Tod» führt, mit Sozialamtabhängigkeit, vermehrter Krankheit, Hospitalisationen, Armut, voll­kom­mener Erwerbsunfähigkeit. Rentenverweigerung (134 Patienten) führte in 60% zum sozialen Tod oder ähnlich negativen Entwicklungen: Nur 4% der Betroffenen arbeiten im geschützten Rahmen. Dass Rentenverweigerung zu Erwerbstätigkeit führt, ist in meiner Umfrage 177-fach widerlegt.1

Rentenzusprache (225 Patienten) ist bei psychiatrischen, neurologischen und Schmerzpatienten ein Segen: 36–48% der IV-Rentner arbeiten Teilzeit, zumindest die Kosten für psychiatrische Betreuung betragen nach Berentung nur noch ca. 1⁄10 der Kosten vor Berentung. Die Krankheit stabilisiert sich, es kommt zu weniger Rezidiven, weniger Psychopharmaka sind nötig.

Forderungen
Jeder Tag, an dem weitere Patienten IV-Opfer werden, ist ein verlorener Tag. Ich will nicht weiterhin von Pa­tienten hören müssen: «Die IV will, dass es mich nicht mehr gibt. Warum sagen sie uns nicht direkt ‹Bringt euch doch um!›?»

Deshalb meine Forderungen:

– Sofortiger Stopp und Änderung des jetzigen IV-Verweigerungsverfahrens. Es gibt weder einen therapeutischen, noch einen sozialen oder wirtschaft­lichen Wert der Rentenverweigerung, was durch meine Nachzählung 177-fach untermauert wird.

– Sofortige Wiedergutmachungen, das heisst Weiterführen der IV-Rente bei ungerecht Ausgemusterten. Einrichtung eines Wiedergutmachungs-Fonds, bis die IV-Renten wieder zugesprochen werden.

– Renten statt Gesunderklärungsgutachten (81 Mio. Franken ergibt 4000 IV-Jahresrenten).

– Zusammenschluss von uns Ärzten, Therapeuten und Juristen, um politisch die nötigen Veränderungen zu erreichen.

– Rentenentscheide durch zwei bis drei behandelnde Ärzte im Kollektiv fällen.

– Krankenkassenbeiträge steigen jährlich, IV-Beiträge sollen auch steigen dürfen von derzeit 1,4% z.B. auf 1,7%. Es darf keine weiteren IV-Opfer geben.

– Listen der IV-Opfer aus unseren Praxen erstellen und gemeinsam die IV zurückfordern.

Epilog
Mit meiner Nachzählung, habe ich, wie zu erwarten war, bisher noch nichts erreicht. Heute kommt die Nachricht einer Kollegin: Eine 43-jährige Patientin mit Mischpsychose, 3 Kindern und einem Ehemann wurde notfallmässig mit schwerem Rezidiv in die Klinik gewiesen. Ihre langjährige IV-Rente wurde vor 2 Monaten eingestellt. 2016 wurden übrigens nur schon im Kanton Aargau 526 IV-Renten gestrichen.

#ivdebakel #tapschweiz #agenda2010leaks #menschenwuerde #wehreteuch

Quelle: via @SAEZ (Veröffentlichung: aus der Schweizerischen Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri, 14.06.2017)



Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Retweeter, June 19, 2017 at 10:17AM

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Donnerstag, 15. Juni 2017

S-Bahn nimmt Bettler ins Visier

Die Bahn will verstärkt gegen Bettler und Musiker vorgehen: Dafür hat sie einen „neuen Service“ vorgestellt. S-Bahn-Fahrgäste können sich bei der Kunden-Hotline melden, wenn sie sich belästigt fühlen. Sozialarbeiter kritisieren das als Vertreibungsmaßnahme. Die Worte, mit denen das Abendblatt den Sicherheitschef der S-Bahn Hamburg zitiert, sind markig: „Wir haben eine Nulltoleranzpolitik“. Diese bezieht sich vor […]

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 15, 2017 at 05:00PM

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Mittwoch, 14. Juni 2017

Leben zwischen den Extremen

Psychische Erkrankungen sind oft ein Grund für Obdachlosigkeit. Wir haben Rudolf B. getroffen, bei dem es so war. Und wir zeigen kommende Woche gemeinsam mit „Flexibles Flimmern“ einen Film darüber. Messerscharf spricht Rudolf D. (52) die Sätze aus, seine Augen funkeln durch die Brillengläser, seine Stimme wächst bis in den hintersten Winkel des Raums. Früher […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 14, 2017 at 03:15PM

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Dienstag, 13. Juni 2017

Diakonie: „Kein Grund zur Freude“

Dass das Winternotprogramm für Obdachlose im vergangenen Jahr nicht ausgelastet war, ist für die Diakonie „kein Grund zur Freude, sondern ein Alarmzeichen“. Die Sozialbehörde hatte sich damit gerühmt. „Die zur Verfügung gestellten Plätze reichten aus“: Das Fazit der Sozialbehörde nach dem Winternotprogramm für Obdachlose klingt eigentlich positiv. Dennoch übt die Diakonie nun scharfe Kritik daran. […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 13, 2017 at 02:06PM

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Montag, 12. Juni 2017

195 Obdachlose bekamen Unterkünfte

So viele Obdachlose wie noch nie haben aus dem Winternotprogramm heraus eine Bleibe gefunden. Hinz&Kunzt kritisiert, dass nicht allen geholfen wurde. Für die Sozialbehörde war das Winternotprogramm für Obdachlose ein Erfolg. „Wir konnten so viele Menschen wie noch nie zuvor so beraten, dass sie Hilfsangebote annahmen“, kommentiert Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) die Auswertung Beratungsangebote in den Notunterkünften. „Das ist […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 12, 2017 at 04:20PM

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Donnerstag, 8. Juni 2017

You’re a little late to the party

Während der letzten Jahre habe ich immer wieder darüber geschrieben, warum man Menschen mit psychischen Krankheiten nicht mit Mülleimern vergleichen, Menschen mit Körperbehinderungen nicht als Schaufensterpuppen, Depressive nicht als Zombies und «Behinderte» ganz generell nicht ständig als Kinder (mit Trisomie 21) darstellen sollte.

Bei den aufgezählten Beispielen handelte es sich um «professionelle» Kommunikation(skampagnen) von Organisationen der sogenannten Behindertenhilfe. Die Organisationen waren über meine Artikel jeweils not amused, denn die «Fachleute» und die «preisgekrönten Werber» wissen schliesslich, was sie tun. Auf meine Kritik hat man – falls überhaupt – arrogant und herablassend (Gell, Pro Infirmis) reagiert.

Aber über die Kritik nachdenken? Nope. Warum auch. Herzige Kinder oder sonstwie bemitleidenswerte Kreaturen sind halt einfach gut für’s Retter-Image der Organisationen und infolgedessen auch für deren Spendeneinnahmen. Menschen mit Behinderung als selbstbestimmte, kompetente Erwachsene abbilden? Äh, wie meinen…?

Selbst das eidgenössische Büro für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) hat 2014 die gesamten Werbematerialien seines Schwerpunktprogramms zum Thema «Partizipation» (Motto «Wir haben auch ein Wort mitzureden!») ausschliesslich mit Fotos von Kindern und Jugendlichen bebildert. Ich schrieb dazu:

Man stelle sich mal vor, auf dem Tagungsprogramm, den Postern und Postkarten wären auch Abbildungen von Menschen mit Behinderung jenseits des Jugendalters zu sehen, Erwachsene in individueller Kleidung statt im einheitlichen Jugendlager-Shirt! Womöglich auch welche im Businesskostüm oder Anzug! Und die wollen mitreden? Und vielleicht sogar mehr nur «ein Wort», wie es das Motto vorgibt?
Scary.

Anfang 2017 hat das EBGB ein neues Schwerpunktthema lanciert. Es heisst «Gleichstellung und Arbeit». Der ebenfalls anfangs 2017 erschienene Bericht zur Entwicklung der Behindertenpolitik des EDI legt den Schwerpunkt auch auf die Arbeitsthematik:

Bei der inhaltlichen Vertiefung steht in einer ersten Phase die Förderung der Gleichstellung im Bereich der Arbeit im Vordergrund. Bei diesem Thema besteht nach übereinstimmender Einschätzung der grösste Handlungsbedarf; zugleich bietet die Abstimmung mit der Weiterentwicklung der Invalidenversicherung und der für 2017 vorgesehenen Konferenz zur Förderung der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderungen einen optimalen Rahmen zu einer umfassenden Förderung der Gleichstellung in der Arbeit.

Und nicht nur, aber natürlich auch deshalb, sollten – so der Bericht – Kommunikationsstrategien verstärkt auf Kompetenzorientierung ausgerichtet werden:

Kommunikationsaktivitäten, welche behindertenpolitische Anliegen vermitteln, sollen vermehrt dazu benutzt werden, eine positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen zu fördern. (…) Weiter soll auch in geplanten Kommunikationsmassnahmen des Bundes darauf geachtet werden, dass defizitorientierte Bilder vermieden werden. Die Wirkung kann verstärkt werden, wenn auch die Behindertenorganisationen in ihren über den Bund finanzierten Informations- und Sensibilisierungskampagnen ebenfalls darauf bedacht sind, ein kompetenzorientiertes Bild von Menschen mit Behinderungen zu vermitteln.

Darüber dass Kompentenzorientierung für eine bessere berufliche Integration von Menschen mit Behinderung fundamental wichtig ist habe ich immer und immer wieder geschrieben. Und zwar bereits 2012:

Ich habe ein klitzekleines Problem mit der aktuellen Arbeitgeber-Umgarnungsaktion der Invalidenversicherung. «Behinderte bzw. IV-Bezüger einstellen» klingt in meinen Ohren nämlich immer irgendwie wie: «Wir haben jetzt einen Hund (oder ein paar Zimmerpflanzen) in unserer Firma, das ist gut für Betriebsklima».

(…) Aber eine Behinderung alleine ist keine Qualifikation. Trotzdem zielen die ganzen Arbeitgeber-Umgarnungsaktionen der IV aber genau auf diese Zimmerpflanzen-Analogie ab. Ganz nach dem Motto: Gibt es nicht irgendeine kleine Nische, wo ihr die Zimmerpflanze reinstellen könnt?

Und:

Wäre dieses ganze Affentheater um die Eingliederungen ernst gemeint, würde man die einzugliedernden IV-Bezüger als zukünftige Arbeitnehmer behandeln und nicht wie die letzten Deppen. Denn Arbeitgeber suchen keine «Behinderten», sie suchen qualifizierte, zuverlässige Mitarbeiter. Eine Einstellung muss sich für sie lohnen. Es schafft auch niemand extra Arbeitsplätze einfach so, «weil er sich ein bisschen sozial fühlt». In einem Unternehmen fällt ein gewisses Volumen an Arbeit an und dafür werden Mitarbeitende gesucht, die diese Arbeit gut ausführen können. Alles andere ist Sozialromantik.

Nach all den Zimmerpflanzen, Mülleimern, Zombies und Kinderbilder der letzten Jahre kommt man nun also im EDI zum Schluss, dass «(…) auch Behindertenorganisationen in ihren über den Bund finanzierten Informations- und Sensibilisierungskampagnen darauf bedacht sein sollten, ein kompetenzorientiertes Bild von Menschen mit Behinderungen zu vermitteln».

Die Fachleute bei den Organisationen werden sich (zusammen mit den preisgekrönten Werbern) dazu bestimmt was hübsches einfallen lassen. Vielleicht eine Inszenierung von Kindern mit Trisomie 21 als Ärzte in einer TV-Serie namens «Euses Spital». So als gehaltvoller Diskussionsbeitrag zum Fachkäftemangel.

. . . . . . .

Weiterführend:

. . . . . . .

What is the meaning of the phrase «late to the party»?
If you are «late to the party» it means that you have only recently learned of something that others already have known for some time.




Weg mit der #behoerdenwillkuer und dem #ivdebakel

Quelle: via @ IVInfo, June 08, 2017 at 02:23PM

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Mittwoch, 7. Juni 2017

Gipfelnotprogramm für Obdachlose

Für uns Hamburger wird es im Vorfeld und während des G20 Einschränkungen geben. Trotzdem können wir überlegen, ob wir demonstrieren gehen, zuhause bleiben oder einfach wegfahren. Obdachlose können das nicht. Daher wenden wir uns mit einem Offenen Brief an die Politik. Sehr geehrter Herr Grote, sehr geehrte Frau Leonhard, sehr geehrter Herr Scholz, setzen Sie zum G20 ein Zeichen! […]

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 07, 2017 at 03:57PM

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Diebstahl bei der Hamburger Tafel

Diebe haben am Pfingstwochenende die Katalysatoren von neun Transportern der Hamburger Tafel gestohlen. Die Hilfsorganisation fährt nun ein „abgespecktes Programm“ – und bittet um Spenden. Als Mitarbeiter der Hamburger Tafel am Dienstag mit ihren Transportern Lebensmittel für Bedürftige einsammeln wollten, staunten sie nicht schlecht: Neben neun Transportern auf dem Tafel-Gelände in Bramfeld lagen die Auspuffrohre […]

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 07, 2017 at 12:23PM

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Abrissdebatte geht weiter

Nun steht fest, wie der Neubau des City-Hofs am Klosterwall aussehen soll. Marco-Alexander Hosemann vom Verein City-Hof kritisert im Interview die Entscheidung der Jury. Hier erklärt er, warum er gegen einen Abriss ist. Die Jury hat ihre Wahl getroffen, am Klosterwall soll ein großer Backsteinbau entstehen. Oberbaudirektor Jörn Walter sieht im Gewinnerentwurf „eine große Chance […]

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 07, 2017 at 11:11AM

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Montag, 5. Juni 2017

Happy World Environment Day 2017 :)

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#WakeUp! Ein erster Schritt aus der Krise. Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @SteveCuttsArt, June 05, 2017 at 09:46PM

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Freitag, 2. Juni 2017

Agenda 2010 ohne Gnade – Manfred Meier ist tot

R I P – am Ende des Regenbogens – sehen wir uns alle wieder!


Mannis Leid hat ein Ende

Agenda 2010/Nachruf Manfred Meier kämpfte gegen das, was er als Unrecht empfand. Der Staat sah ihn wohl nur als Querulanten. Nun endete Mannis Kampf auf dem Totenbett

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied asansörpress35

Die Mauertoten an der DDR-Staatsgrenze zur BRD zählte man. Keine Frage: Jede/r Tote ist eines/r zu viel.

Bild zur Petition mit dem Thema: Gerechtigkeit für Manni LeidManfred Meier ist tot. Heute erst zu lesen auf Facebook. „Manni“ ist bereits am 12. Mai im Marienhospital zu Herne seinem Leid erlegen. Das Leben hatte ihm übel mitgespielt. Das Leben? Kaltland! Ein Schock für mich. Ich lernte den kämpferischen Zeitgenossen vor Jahren am Rande einer Veranstaltung mit Inge Hannemann in Wanne-Eickel kennen.

Die Agenda 2010 hat den Mann auf dem Gewissen. Könnte man sagen. Freilich juristisch fest wäre das nicht zu beweisen. Weshalb ich schreibe: die Umstände haben ihn auf den Gewissen. Gewissen? Jedoch könnte gesagt werden: Das einst von Rot-Grün installierte Agenda-System – in vorderster Linie Hartz IV – machte Manfred Meier krank. Und letztlich erschlug es ihn im übertragenen Sinne. Kalte Bürokraten wollten nicht hinnehmen, dass Meier sich gegen das System wehrte. Aber das tat er. Sicher nicht immer mit legalen Mitteln. Etwa dokumentierte Meier in Wort und Bild auf Video wie man mit ihn amtlicherseits umsprang. Das brachte ihm die Kriminalpolizei ins Haus. Später musste er sogar ins Gefängnis. Den Ämtern bis hin zum sozialdemokratischen Bürgermeister mochte er als Querulant gelten. Dabei wollte Manni nur das, was in seinen Augen Unrecht war, nicht wehrlos hinnehmen. Nun hat er seinen Kampf verloren. Er ruhe sanft.

Ach ja: Zählt eigentlich jemand die Agenda 2010-Opfer? Jede/r ist eines zu viel.

Facebook –> Manfred Meier

https://www.facebook.com/profile.php?id=100004763505164&pnref=story

Foto aufgelesen – Gerechtigkeit für Manni Leid – Online-Petition

Mannis Leid hat ein Ende » bit.ly/2t5uG9d
Rückfragen via @Abdallah-Mohammed Geretzky, bit.ly/2t9GasQ
Mirror via @Friedhof der Agenda 2010-Opfer,
Agenda2010Leaks » bit.ly/2rQHpcu

Epilog – Abschied!

Gefangenen Chor von Nabucco – Verdi 

YouTube schneewittchen33rosi@gmail.com

Weg mit der #Agenda2010

Quelle: via @Mantovan, June 02, 2017 at 11:23AM

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